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Bohnen, die hocken und rutschen
BBZ,
16. April 2005
„Jedes
Böhnchen gibt ein Tönchen“ heißt es landläufig, wobei es
hier nicht darauf ankommt, ob die verursachende Bohne eine
Stangen- oder eine Buschbohne ist. Im Bauerngarten kommt
gewöhnlich beides vor und beide Sorten erfreuen sich in
Südbaden einer ansehnlichen Namensvielfalt. Bei der
Buschbohne überrascht, dass die verschiedenen Namen zum Teil
relativ kleinräumig und die Gebiete inselartig verteilt
sind. Ein Blick auf die Karte zeigt einen bunten
Flickenteppich, der noch vielfarbiger sein könnte, wenn auf
alle Varianten und Einzelbelege Rücksicht genommen werden
würde.
Ein
bisschen verwirrend könnte für einen Nichteinheimischen die
Bezeichnung Stockbohne sein, denn möglicherweise
stellt er sich unter dem Wort Stock die Bohnenstange
vor, die die Buschbohne ja gerade nicht braucht. Aber im
Alemannischen steht das Wort Stock eben auch für eine
einzelne, buschige Pflanze, was man in dem Wort Maiestock
für „Topfpflanze“ gut erkennen kann. So gesehen ist die
Stockbohne nur die konsequente „Alemannisierung“ von
Buschbohne, wie die Pflanze im Schriftdeutschen heißt.
Das ist ein Ausdruck, der auch in unserem Sprachraum immer
wieder anzutreffen ist, sei es als neuere Form oder als
einzige am Ort überhaupt. Auch das Benennungsmotiv bei der
Studebohne, also „Staudenbohne“, im nördlichen
Ortenaukreis gehört in diese Abteilung, man sagt dort nur
lieber Stude als Busch oder Stock.
Natürlich
steckt bei den meisten Namen für die Buschbohne die Absicht
dahinter, sie von der an Stecken hochrankenden
Stangenbohne zu unterscheiden. Und was ist da besser
geeignet, als zu betonen, dass die Buschbohne nahe am Boden
wächst? Die südwestlich von Freiburg übliche Niedere
Bohne drückt dies jedenfalls aus. Und auch am Bodensee
kam man hier schnell auf das Naheliegende: Man nannte sie
ganz einfach Bodebohne. Vermutungen, dass diese
Wortbildung erfolgte, weil das in der Zusammensetzung mit
dem hauseigenen See schon so gut harmoniert hatte, gehören
jedoch ins Reich der Phantasie und können getrost vergessen
werden.
Die Namen
Hocker, Hockerli, Höckerli, Huckerli oder
Hockerlibohne deuten ebenfalls darauf hin, dass diese
Bohnen ihren Namen von dem Umstand haben, dass sie auf dem
Boden „hocken“, während sich die Stangenbohnen nach oben
strecken. Dass man beim Pflücken dieser Bohnen in die Hocke
gehen muss, ist zwar wahr, aber sicher nicht namensgebend
gewesen, ebensowenig wie das Auf-den-Knien-Rutschen bei der
Rutschbohne oder dem Rutscher beziehungsweise
dem Rutscherli. Auch hier kann man davon ausgehen,
dass die Pflanze selbst und deren Wachsen dicht am Boden
gemeint ist. In Obersimonswald hat man die Formen Hocker
und Rutscher sogar gemischt und eine neue und
einzigartige Bezeichnung gefunden. Dort nennt man die
Buschbohne nämlich Hotscher.
Die
Stumpbohne in der Emmendinger Gegend allerdings ist
nicht so einfach zu erklären. Wahrscheinlich ist auch hier
die Größe im Vergleich zur Stangenbohne maßgeblich, ihr
gegenüber ist sie einfach stumpig. Da das „p“ mit dem
nachfolgenden „b“ zusammenfällt, könnte man den Namen aber
auch als Stummbohne verstehen und vermuten, dass
diese Bohne das eingangs erwähnte „Tönchen“ ausnahmsweise
nicht verursacht. Das ist aber mit Sicherheit nicht der
Fall. Ja, wenn es ganz dumm kommt, muss auch noch mit einem
„Gschmäckle“ gerechnet werden. Gegen Verdächtigungen über
den Verursacher ist der gestandene Alemanne jedoch gefeit.
Er weiß sich zu wehren, indem er entgegnet: Wer‘s zerscht
schmeckt, het agfiirt. Und denkt sich im Stillen dabei:
Wer‘s glaubt wird selig un wer in e Mehlsack schlupft
wird mehlig.
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