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Bredle, Gutseli, Springerli oder Bächtlin
BBZ,
10. Dezember 2005
Plätzchen gehören zu Weihnachten wie die Ostereier zu
Ostern, da beißt die Maus keinen Faden ab. Aber Plätzchen
müssen nicht unbedingt so heißen, vor allem nicht, wenn man
im Süden von Deutschland von ihnen spricht, sie herstellt
oder verzehrt.
"Nordlichter" ernten hierzulande nur ein Kopfschütteln, wenn
sie Hildabrötchen, Zimtsterne und Pfeffernüsse mit
"Plätzchen" bezeichnen, während die Wörter Brötle,
Zuckerbrötle oder Springerle bei Einheimischen
wie von selbst das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Allerdings kommt es auch hier darauf an, wo in Südbaden man
zu Hause ist, denn die Bezeichnung für das kleine
Weihnachtsgebäck ist - wie so vieles in der Mundart - nicht
einheitlich. Es gibt eine Anzahl von Benennungen, deren
Gebiete fleckenartig ineinander greifen, denn jeder Begriff
besetzt mehr als ein Territorium. So gibt es Brötle
oder Bredle nicht nur in einem breiten Mittelstreifen
vom Rhein bis zur schwäbischen
Grenze
(und selbstverständlich darüber hinaus), sondern auch in
einem Gebiet nördlich von Rastatt. Auch Zuckerbrötle
sind in zwei getrennt voneinander liegenden Gebieten zu
Hause, lediglich lautliche Unterschiede sind da nicht ganz
von der Hand zu weisen. Die gibt es aber auch sonst
innerhalb der einzelnen Gebiete zuhauf, darauf kann die
nebenstehende Karte gar nicht eingehen. Und auch von
Gutseli und Springerli gibt es mehrere
Hochburgen. Lediglich die ganz am Ostrand des badischen
Gebiets an Bodensee befindlichen Bächtlin stehen
alleine da und machen einen fremdartigen Eindruck. Was
verbirgt sich dahinter, mag sich der eine oder andere
westlich davon vielleicht fragen. Die Antwort ist schlicht
und einfach: kleine gebackene Leckerbissen, denn Bächtlin
kommt von "backen", was in der Mundart bache heißt.
Folglich ist der "Backofen" ein Bachofe, das, was auf
einmal gebacken wird, eine Bachete und ein kleines
Gebäck eben ein Bächtlin.
Ansonsten sind die Bezeichnungen in unserem Gebiet nicht
sehr rätselhaft, denn sie sind meist aus dem Wort heraus gut
zu verstehen. Selbstverständlich ist das Brötle eine
Verkleinerung von Brot, während ein Zuckerbrötle den
Sachverhalt noch etwas genauer beschreibt. Aus diesem Wort
kann man nämlich entnehmen, dass das wichtigste an diesem
"kleinen Brot" sein süßer Geschmack ist, der in aller Regel
durch Zucker verursacht wird. Auch beim Gutseli liegt
das Benennungsmotiv auf der Hand: So ein Walnusshäufchen
oder eine Haselnussmakrone ist eben etwas "Gutes", zumal man
sich vorstellen muss, dass zu den Zeiten, in denen die Namen
für das Weihnachtsgebäck entstanden sind, Leckereien
wirklich selten waren und Kinder und Erwachsene keineswegs
vom Überfluss an Süßigkeiten verwöhnt waren. Außerdem ist
die Bezeichnung Gutseli auch sonst im ganzen Land
bekannt, allerdings ist sie anderswo für etwas anderes
reserviert. In aller Regel sind damit Bonbons gemeint, eine
Sache, die ebenfalls für ihren Leckerei-Charakter bekannt
ist.
Nur
beim Springerle liegt das Benennungsmotiv nicht ganz
offen auf der Hand. Kommt der Name von den "Füßle", die ein
rechtes Springerle bekommen muss, wenn es als gelungenes
Backwerk bei ernstzunehmenden Springerlebäckerinnen und
-bäckern durchgehen will? Manche Hobbysprachforscher sind
fest davon überzeugt, dass es sich so verhält.
Wahrscheinlicher ist aber, dass der Name von einem beliebten
Model-Bild kommt, das dem Springerle früher oft verpasst
worden ist. Von Reitern oder springenden Rösslein wird da
nämlich geschrieben, mit denen das Anisgebäck gern verziert
wurde. So wichtig und beliebt ist diese spezielle
Plätzchensorte in den Springerle-Gebieten, dass sie
ihren Namen nach Musketierart, nämlich "einer für alle",
hergegeben hat. Aber auch in allen anderen Gebieten sind die
Springerle aus dem Weihnachtsgebäck nicht
wegzudenken, wenngleich das Selbermachen immer exklusiver
wird. Wohl dem, der irgendwo eine sichere Quelle hat, wo in
der Adventszeit der Backofen auf Hochtouren läuft. Manch
einer verzichtet da für ein köstliches Sortiment an
Zuckerbrötle, Gutsele oder Springerli gern
auf alle sonstigen Weihnachtsgeschenke.
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