Was beim Butter rumple übrig bleibt
BBZ, 19.Februar 2005
Auf die Frage, was eine Rumpelkammer ist, werden auch
heute noch die meisten Kinder eine Antwort wissen. Ebenso
ist das Rumpelstilzchen vielen bekannt. Aber was ist eine
Rumpelmilch? Da werden sogar Kinder von Bauernhöfen ins
Grübeln kommen, selbst wenn sie im Breisgau daheim sind, wo
diese Bezeichnung für Buttermilch früher in einigen Orten
gang und gäbe gewesen ist. Die Rumpelmilch heißt so,
weil die Tätigkeit des Buttermachens Butter rumple
genannt wurde. Das geht darauf zurück, dass es dabei
ziemlich lautstark zuging: Es rumpelte gehörig im
Rumpelfass bis aus dem dicken Rahm durch Drehen an einer
Kurbel endlich goldgelbe Butter entstand. Auch die im
Breisgau ab und zu gemeldete Rundelmilch gehört
hierzu, ist lautlich nur ein bisschen abgewandelt worden.
Aber
auch in vielen anderen Regionen Südbadens heißt die
Absonderung, die beim Buttermachen entsteht, nach dem
Vorgang, für den es im Alemannischen überraschend viele
verschiedene Bezeichnungen gibt. In der Ortenau, sowie um
Rastatt und Baden-Baden spricht man in diesem Fall vom
Butter plumpe und demzufolge von der Plumpmilch.
Auch hier scheint das dabei entstehende Geräusch in der
Namensgebung durch. Allerdings liegt dem Ganzen wohl eine
andere Technik zugrunde. Bevor es Butterfässer mit
Drehvorrichtung gab, wurde ein Stößel verwendet, der in
einem Gefäß auf und ab bewegt wurde und dabei ein
„plumpsendes“ Geräusch verursachte. Diese Technik ist sicher
auch bei der Stoßmilch, die in zwei getrennten
Gebieten vorkommt, namensgebend gewesen. In der Gegend um
den Bodensee hat man dagegen den Rahm gerührt und damit ganz
nebenbei Rührmilch erzeugt.
Einen Alleingang macht man in einem Gebiet vom oberen
Bregtal bis nach Altglashütten. Dort hatte sich für die
Buttermilch ein Begriff herauskristallisiert, der anderswo
zwar auch bekannt ist, dann aber ein anderes Produkt
bezeichnet: die Suurmilch oder auch Suuri Milch.
Hier steht der geschmackliche Aspekt im Vordergrund. Die
ungekochte, saure Milch heißt in diesen Orten dagegen
Stockmilch oder grunneni Milch und somit ist
zumindest am Ort eine Verwechslung ausgeschlossen.
Schon in
den 70er Jahren als die Mitarbeiter des Südwestdeutschen
Sprachatlasses ihre Aufnahmen gemacht haben, die der
nebenstehenden Karte zugrundeliegen, wurde vielerorts neben
den älteren Begriffen die neuere Bezeichnung Buttermilch
gemeldet. Damit setzt sich fort, was schon früher mit dem
Wort Anke geschehen ist, das heute weitgehend durch
Butter abgelöst wurde, in Ankemilch im Markgräfler
Land aber noch greifbar ist. Bald muss das ursprünglich
germanische und nur noch im Alemannischen vorkommenden Wort
Anke endgültig dem aus griechischer Wurzel stammenden
Wort Butter weichen. Nur der Artikel hat sich bis
jetzt tapfer gewehrt: In Süddeutschland heißt es nach wie
vor der Butter und erinnert damit den Eingeweihten
leise daran, dass hier früher der Anken zu Hause war.
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