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Mäschli, Muschle, Schlupf und Lätsch
BBZ,
16. Juli 2005
Ist in Südbaden von
der "Schleife" die Rede, stehen dem Mundartkundigen mehrere
Worte zur Verfügung. Wo man von einem Schlupf spricht
und wo eher von einem Mäschli, wurde in der
BBZ-Umfrage geklärt.
Als in Freiamt
einmal vor vielen Jahren ein Lehrer seine Klasse
aufforderte, das Zeitwort "binden" in die verschiedenen
Zeiten zu setzen, meldete sich ein kleines Mädchen und
sagte: "binden, bonden, Lätsch". Obwohl sie meinte, mit dem
letzten Wort das genannt zu haben, was herauskommt, wenn der
Vorgang "binden" abgeschlossen ist, hatte die Schülerin
damit nicht ganz ins Schwarze getroffen, denn der Lehrer
wollte "binden, band, gebunden" hören. Wenn sie aber bei
unserer Umfrage mitgemacht hätte, hätte sie damit ein Wort
genannt, das mit der gesuchten "Schleife im Haar" gemeint
war und damit vielen BBZ-Lesern helfen können, die hier
nicht recht wussten, auf was diese Frage eigentlich
abzielte. Möglicherweise ist der hilfreich gemeinte Hinweis
mit den Haaren der Grund dafür gewesen. Denn, wenn es nicht
üblich ist, eine Schleife im Haar zu tragen, muss man ja mit
Bändel, Zopfbändel oder gar Spängerli antworten, wie es
häufig vorgekommen ist. Erschwerend kommt dann noch dazu,
dass auch bei diesem Wort sachliche Unterschiede eine Rolle
spielen. Denn wie einige Leser schrieben, können
verschiedene Schleifen unterschiedlich benannt werden. So
sagt man in Höchenschwand zu der Schleife auf dem Schuh
Schlickch, während die Schleife im Haar ein Schlupf
ist. Und auch die Tatsache, dass oft mehrere Benennungen aus
ein und demselben Ort eingeschickt wurden, deuten an, dass
es bei diesem Wort mit der sicheren Zuordnung von Wörtern zu
Gebieten nicht ganz einfach ist.
In
gewissem Maße kann dies auch an der nebenstehenden Karte
abgelesen werden. Es konnten hier nur tendenzmäßig Gebiete
ausgewiesen werden, wo die genannten Begriffe deutlich in
der Überzahl waren. Das bedeutet aber nicht, dass in diesen
Gebieten nicht auch andere Bezeichnungen für "Schleife"
bekannt sind. In einem großen Teil von Südbaden konnte noch
nicht mal diese Überzahl festgestellt werden. Deshalb wurde
dort auf die Ziehung von Grenzen verzichtet und punktuell
ein Begriff eingetragen, der in dieser Region öfter genannt
wurde. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es in
unserem Gebiet zahlreiche Namen für "Schleife" gibt, eine
Vielfalt, die sich auf jeden Fall sehen lassen kann.
Häufig genannt wurde
die Masche, in der Ortenau verkürzt zu Masch
und an vielen Orten auch in der Verkleinerung Mäschli.
Seltsamerweise hat sich da vielerorts ein "r" dazwischen
geschoben und so aus dem Mäschli ein Märschli
gemacht. Vielleicht hatte da ein ähnliches Wort produktiv
gewirkt, weil man darauf so gut reimen kann, denn wunderbar
passt das Märschli zum Ärschli. Möglicherweise
gilt aber auch hier, dass das dialektale Wort ohne stützende
Wortfamilie ziemlich auf sich allein gestellt war und
lautliche Veränderungen so leichter möglich waren. Zwar ist
das Wort verwandt mit der hochdeutschen Masche, die man vom
Stricken kennt und die eigentlich ja auch eine Schleife ist.
Aber wahrscheinlich ist der sachliche Unterschied zu groß,
als dass man es damit in Verbindung gebracht hätte. Denn
immerhin hat die Masche noch weitere Varianten
aufzubieten. Besonders im Markgräflerland wurde häufig
Maschle mit der Verkleinerung Mäschili genannt
und in Achkarren, Mengen und Wolfenweiler kennt man auch die
Muschle.
Auch der Schlupf
erfreut sich mit seinen Brüdern und Schwestern einer großen
Wortfamilie. In Rheinbischofsheim ist der Schlopf
daheim, in Burkheim kennt man die Schleipfe und in
Jostal und Mundelfingen spricht man von der Schlaupfe.
Dies sind dialektale Weiterbildungen von den ebenfalls
häufig genannten Wörtern Schleife und Schlaufe,
die auch im Hochdeutschen vorkommen. Wahrscheinlich hat da
das Zeitwort schleifen, das in der Mundart ja als
schleipfen bekannt ist, ein bisschen Pate gestanden,
während beim Schlupf doch ziemlich sicher eine
Ableitung zum Zeitwort schlüpfen in Frage kommt.
Wo ist nun aber das
eingangs erwähnte Wort Lätsch zu finden? Würde am
Ende unsere Schülerin hier doch daneben liegen? Ganz
bestimmt nicht. Das Wort wurde mehrfach genannt, aber eben
im ganzen Gebiet verteilt.Vielleicht spielt der Lätsch,
der übrigens vom italienischen laccio für Schlinge
herrührt, deshalb keine so große Rolle mehr, weil er
inzwischen in seiner übertragenen Bedeutung viel bekannter
ist. Denn wer kennt nicht den Ausdruck e Lätsch ani
drucke, was bedeutet, dass man den Mund so verzieht,
dass er das Aussehen einer Schleife erhält. In dieser
Ausprägung findet man die Schleife jedoch meist nicht mehr
so schön und man überlegt sich zwei Mal, ob eine kunstvoll
hergerichtete Verzierung auf einem Geschenk tatsächlich mit
diesem Wort bedacht werden sollte.
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