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Wenn der Hagen besser als der Muni ist
BBZ, 26. März 2005

Ich bin e Hägili fir mich un brumml wenn i will!
Diesen Ausspruch schiebt man in Furtwangen und Umgebung gerne einer Person unter, von der man sagen will, sie würde ein bisschen eigensinnig und eigenwillig auf ihren Sonderweg bestehen. Solche Menschen gibt es, keine Frage, aber warum nennt man sie Hägili und was ist das überhaupt? Für die mit der Landwirtschaft vertrauten Personen im südöstlichen Baden ist diese Frage natürlich schnell beantwortet. Sie kennen ja den Hagen beziehungsweise den Häge oder den Hägel und wissen, dass es sich dabei um die mundartliche Bezeichnung für den Stier handelt. Ein Hägili ist also nichts anderes als ein kleiner Stier und von dem ist bekannt, dass er sich schon mal eigensinnig und dickköpfig aufführen kann.

Doch auch in Gebieten, wo der Stier ortsüblich anders genannt wird, etwa Muni, Mauch oder Hummel, ist die Bezeichnung Hagen nicht völlig unbekannt. Das mag daran liegen, dass man auch früher schon weiträumigere Kontakte hatte, wenn es darum ging, einen neuen Zuchtbullen zu beschaffen. Gern hat man da den starken, neuen Bullen unter einem „besseren“ Namen eingeführt und ihn beispielsweise im Muni-Gebiet als Hagen bezeichnet, während die vielen unbedeutenden Stierkälber weiterhin als Munili bezeichnet wurden. Auch heute noch scheint diese Praxis durch: Die Zuchtbullen werden in der landwirtschaftlichen Fachsprache durchweg als Farren bezeichnet, obwohl dieses Wort nirgendwo in Südbaden bodenständig ist. Durch die Schul- und Amtssprache hat sich das Wort eben eingebürgert. Aber auch auf anderen Gebieten kann man diese Bezeichnungserneuerungen beobachten. Wer würde heute seinen 100PS-Schlepper noch Bulldog nennen? Wer sich dazu hinreißen ließe, würde sich leicht zum Gespött der Berufskollegen machen.
So verschieden die Bezeichnungen für den Stier in Südbaden    sind, eins haben sie dennoch gemeinsam: die Wortherkunft ist bei fast allen schwer festzumachen. Beim südöstlichen  Hagen ist es durchaus denkbar, dass das Wort vom gleichnamigen Vornamen herleitbar ist, dessen berühmtester Träger der Held aus der Siegfried-Sage ist. Aber sichere Beweise gibt es hierfür nicht. Beim Wort Muni, das auch in der Schweiz weit verbreitet ist, spricht sich das Schweizerdeutsche Wörterbuch dafür aus, dass die Bezeichnung als lautnachahmend von der Stimme des dumpf Brüllenden zu verstehen ist. Doch auch das ist letzlich nur eine Vermutung.

Lautnachahmende Wortbildung ist wahrscheinlich auch beim Wort Mummel anzunehmen, was entlang des Rheins nördlich von Offenburg in einigen Orten gemeldet wurde. Diese Bezeichnung findet im übrigen in der Kindersprache noch eine viel weitere Verbreitung: In ganz Südbaden ist das Mummili anzutreffen, das Kleinkindern als Wort für „Kälbchen“ beigebracht wurde, ebenso wie Boisli für Hund oder Bulli für Katze.
Ob das heute auch noch Gültigkeit hat oder ob diese Kinderwörter inzwischen in Vergessenheit geraten sind?

Die Tatsache, dass der Mummel an ein paar Orten noch genannt wird, täuscht nicht darüber hinweg, dass diese Bezeichnung bedroht ist. Denn in den Orten, wo er gemeldet wurde, wird  daneben auch das Wort Stier verwendet.  Auch die Bezeichnungen Fasel, Mauch und Hummel im Kreis Offenburg und Rastatt sind dort, wo sie genannt wurden, nicht die einzigen am Ort. Der Stier, der vielerorts schon als einziges Wort gilt, setzt sich eben mehr und mehr durch. Schade eigentlich, dass diese Vielfalt aufgegeben wird.

 

 

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