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"Hacket und riehret!"
BBZ,
25. Juni 2005
Auch wenn
sich heute die Arbeitsmethoden längst gewandelt haben und
die Hacke oder Haue wohl nur noch bei kleineren Flächen, wie
dem Garten, Anwendung findet, konnten die Leser der
Badischen Bauern Zeitung ein aufschlussreiches Bild darüber
liefern, wie man bei ihnen am Ort diese Tätigkeit nennt. Und
da zeigt sich diesmal eine ganz andere Zusammensetzung der
Karte als bei den letzten hier behandelten Begriffen.
Während die Schwarzwälder zusammen mit den Bewohnern am
Bodensee ziemlich einmütig von hacke sprechen, haben
die Bewohner des Rheintales dafür ganz unterschiedliche
Begriffe. Vor allem bei den Gebieten riehre, ruehre
und falge, teilweise auch für das Gebiet bägge,
fällt auf, dass es sich da um Weinbaugebiete handelt. Es
liegt deshalb nahe, dass das mit ein Grund für die
abweichende Benennung ist. Möglicherweise hängen die
verschiedenen Bezeichnungen mit der Einführung oder der
Änderung empfohlener Arbeitsmethoden zusammen, vielleicht
aber auch mit der längeren Tradition dieser
Bodenbearbeitung. Die Wörter selbst sind nämlich alles
andere als neu. Sowohl ruere als auch riehre,
die beide die gleiche Wurzel haben, sind schon im
Althochdeutschen angelegt. Schon damals war dies ein Wort
mit vielen Bedeutungen, wie “durchmischen” und “berühren”,
wie wir sie heute noch kennen. Und auch das Wort falge
erfreut sich eines hohen Alters. Es ist verwandt mit dem
englischen Wort fallow, das “brach liegen” bedeutet.
Dass das sachlich etwas mit unserem gesuchten Wort zu tun
hat, wird auch aus einer Meldung aus Mundelfingen deutlich,
wo man für “hacken” broche sagt. Für das Wort
bägge liegt die Vermutung nahe, dass es aus dem
Italienischen kommt, denn dort heißt “hacken” beccare.
Da ist es zu bägge nicht mehr weit. Aber auch an
einen Zusammenhang mit dem Wort “picken” darf man denken.
Nun
beschränken sich die Antworten der Leser aber keinesfalls
auf die in der Karte genannten Begriffe. Denn wie die
Eskimos angeblich über zwanzig verschiedene Bezeichnungen
für den Schnee kennen, weil der in ihrer Welt eine große
Bedeutung hat, so unterscheidet der Landwirt die Tätigkeit,
die sonst nur mit “hacken” bezeichnet wird, wenn auch nicht
mit ganz so vielen Varianten. Je nachdem, ob man tief oder
flach hackt, zum ersten Mal gründlich und zum zweiten und
dritten Mal nur noch oberflächlich, kann das verschieden
benannt werden. Darauf weist ein Einsender aus Erzingen hin,
wo man zu dem gründlicheren, tieferen Hacken karschthacke
sagt, während das flache Hacken schuepe heißt.
Mehrfach wurde karschte bzw. charschte oder
chärschtle genannt, das auf das gleichnamige dreizinkige
Gerät zurückgeht. Anderswo, etwa in Häusern oder in
Birkendorf, heißt ein ähnliches Werkzeug Chraiel oder
Kraiel und demzufolge spricht man da von chraile
bzw. kraile. Hier geht das Bearbeiten des Bodens aber
wohl nicht sehr in die Tiefe, denn diese Wörter bedeuten
auch “kratzen”, ebenso wie das aus Haltingen gemeldete
chräble.
An
oberflächlicheres Hacken denkt man auch bei den Meldungen
schürfe (Mühlenbach), schirfle (Wolfenweiler),
schräpfe (Ödsbach) und schirtele (Laufen,
Obereggenen). In Vöhrenbach und St. Peter zerteilt man die
Schollen in “Möckele” und megglet folglich auf dem
Acker. Ähnliches machen wohl auch die Oberwolfacher, dort
wird nämlich polderet.
Auf den
ersten Blick allgemein wirkt das Wort schaffe, das
aus Biengen, Wettelbrunn und Münstertal gemeldet wurde und
noch Unterstützung aus Bad Krozingen bekam, wo man
häueschaffe sagt. Wären diese Orte nicht so nah
beieinander, könnte man an Zufallsmeldungen denken. So aber
liegt die Vermutung nahe, dass das Wort schaffe in
dieser Region wirklich die Nebenbedeutung “hacken” hat, ein
für die Dialektologie überraschender Befund.
Ob
hacke, bägge oder falge, fest steht, dass
diese Arbeit in der Regel ziemlich schweißtreibend ist, wenn
es auch nicht ganz so schlimm kommen muss wie in
Zell-Weierbach, wo die im Weinberg Arbeitenden scherzhaft
mit folgenden Worten angetrieben werden: Hacket und
riehret, bis ihr krepieret.
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