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Der Sprung zur Motorsäge war zu groß
BBZ, 21. Januar 2006
Was hat das
Säsle mit den Sachsen zu tun? Und ist ein Dechsel
das gleiche wie ein Schnäker? Das ist nur ein Teil
der Fragen, die das Haumesser anschneidet, das früher -
nicht nur zum Wellenmachen - gebraucht wurde.
Als relativ
einfaches, aber effizientes Werkzeug war dieses kleine Beil
unentbehrlich. Denn immer schon gab es Reisig, Gerten und
kleines Gehölz zu bearbeiten. Die Stube wollte schließlich
geheizt werden und von einer Gas- oder Ölheizung war lange
Zeit weit und breit noch keine Spur. Zum Bearbeiten von
Reisig oder dünnerem Holz hatte sich wohl die Form des
Haumessers bewährt. Diese kann zwar variieren, denn mal geht
die Nase an der Spitze der Schneide nach oben, mal zeigt sie
nach unten oder die Schneide hat insgesamt eine abgerundete
Form. Allen gemeinsam ist aber, dass das Messer nicht nur
zum Schneiden, sondern auch zum Zurechtrücken oder
Heranziehen des zu bearbeitenden Materials gut ist.

Von Gemeinsamkeiten
bei der Benennung dieses Werkzeugs kann dagegen im
Südbadischen nur bedingt die Rede sein. Bei dieser Sache
sind die Namen tatsächlich so verschieden, als wäre die
Ortenau vom Hotzenwald Lichtjahre entfernt. Jede Region
wartet mit einer anderen Bezeichnung auf, die auf den ersten
Blick meist unerklärlich ist. Sicher, das Hau- oder
Holzmesser, das Reb- oder Spitzmesser
oder der Steckenspitzer haben sich selbst erklärende
Namen, die ganz so, wie es im Deutschen üblich ist,
zusammengesetzt sind. Das so bezeichnete Messer ist
demzufolge zum Hauen da, es ist für das Holz
beziehungsweise die Reben bestimmt oder fällt durch seine
Spitze auf, während der Steckenspitzer vornehmlich zum
Anspitzen von Stecken oder Pfählen benutzt wird. Woher hat
aber das Säsle seinen Namen und was hat es mit dem
Gertel oder Gerter auf sich?
Das
Säsle, das im Breisgau und in der Ortenau weit
verbreitet ist, wird mancherorts auch Säxsle genannt.
Das ist nicht weiter sonderbar. Das Schwinden des x-Lautes
ist in Teilen des Alemannischen auch in anderen Fällen zu
verzeichnen. So kann man in manchen Gegenden waase
statt wachse hören. Fest steht jedenfalls, dass es
sich hier um dasselbe Wort handelt und dass damit eine
auffällige Ähnlichkeit zur Volksstammbezeichnung „Sachse“
besteht. Das wiederum hat den verbindenden Hintergrund, dass
die Sachsen ihren Namen von ihrer Waffe, dem Kurzschwert –
eben dem Sachs - erhielten, das sie mitgeführt haben.
Zumindest der Name des Säsle reicht daher in
gemeinsame germanische Zeiten zurück. Mindestens ebenso alt
ist aber auch die Wurzel des Dechsels. Es geht auf
das germanische Wort thehsalon zurück, mit dem so
etwas Ähnliches wie eine Zimmermannsaxt bezeichnet wurde.
Der gebietsmäßig daran anschließende Bäcksel oder
Bäckser dagegen scheint ein „Mischling“ zu sein.
Wahrscheinlich wirkte bei ihm das Wort bäcke, also
„hacken“ auf Dechsel beeinflussend. Denkbar ist aber auch,
dass das Wort bäckse mit in den Wortbildungsprozess
eingegangen ist. Das steht nämlich in manchen Gegenden für
grobes, unbeholfenes oder mit stumpfem Messer verübtes
Schneiden.
Relativ schnell zu
erklären ist das Wort Gertel. Bei ihm handelt es sich
um ein Gerät, mit dem man „gertet“, also Gerten, Weiden und
dünnes Geäst schneidet oder bearbeitet. Auch der Name des
Gertmessers lässt sich damit erhellen. Beim Schnäker
dagegen ist der Fall nicht ganz so einfach zu klären. Zwar
ist es wahrscheinlich, dass das Wort von dem Zeitwort
schnäken abgeleitet werden kann. Aber was ist
schnäken? Historische Quellen aus Bayern geben als
Bedeutung für dieses Wort „klein hauen, schnitzen“ an und
demzufolge gehört dieses Wort zu den zahlreichen Spielformen
von Wörtern mit „schn“, die alle etwas mit schneiden zu tun
haben. So kennt man da schnitzen, schnäfeln, schnetzeln und
schnipseln, alles Wörter, bei denen ein missbilligendes
Urteil über die so bezeichnete Tätigkeit mitschwingt.
Da bleibt nur noch
das Wort Häpe, das um Baden-Baden herum üblich ist.
Auch anderswo kennt man dieses Wort, dort meint man damit
aber eine Hupe oder ein Blashorn. Gegebenenfalls kann man
auch zu einem kleinen Mädchen scherzhaft oder kosend sagen:
Du Häppe! Das hat aber mit der Häpe,
die für das Haumesser steht, überhaupt nichts zu tun. Dieses
Wort ist verwandt mit der „Hippe“, die man im Allgemeinen
dem personifizierten Tod, dem Sensenmann, unterschiebt.
Eine Fülle
verschiedener Werkzeuge, die über die Jahrhunderte hinweg
lebenswichtig waren, haben also viele verschiedene Namen mit
sich gebracht, Namen, die immer wieder auf andere Werkzeuge
übertragen wurden. Heute jedoch drohen sie in Vergessenheit
zu geraten, weil die damit bezeichneten Geräte nicht mehr
gebraucht werden. Die rechtzeitige Übertragung auf
gegenwärtige Gegenstände hat nun mal leider nicht geklappt.
Der Sprung vom Säsle zur Motor-Kettensäge war eben
doch zu groß.
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