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Huffe,
Schoche oder Birling
BBZ,
27. August 2005
Wo man bei drohendem
Unwetter Haufen, Schochen oder Birling macht, ist laut
Auskunft der BBZ-Leser ziemlich klar unterteilt. Warum die
einen aber größere und die anderen kleinere Haufen machen,
bleibt dagegen rätselhaft.
Ob Heu oder Öhmd in
guter Qualität unter Dach und Fach gebracht werden kann,
hängt in besonderem Maße vom guten Wetter ab. Das ist heute
noch ganz genau so wie früher. Noch viel mehr als zu anderen
Jahreszeiten ist da in der Landwirtschaft der Wetterbericht
von Bedeutung und es herrscht zwangsläufig aufmerksame
Stille am Mittagstisch, wenn im Radio die entscheidende
Voraussage auf Regen oder Sonnenschein gegeben wird.
Geändert haben sich
jedoch die Methoden, wie mit dem Heu umgegangen wird, bis es
eingebracht werden kann. Wo früher zahlreiche Helfer damit
beschäftigt waren, zu mähen, zu zetteln, zusammenzurechen
und wieder auszubreiten, kreist heute nur noch ein einsamer
Traktorfahrer auf der Wiese, der all diese Arbeiten dennoch
in weniger Zeit erledigt. Manche Arbeitsgänge werden dabei
jedoch so gut wie überhaupt nicht mehr eingebaut, zum
Beispiel das Haufenmachen bei drohendem Regen oder auf die
Nacht hin. Die Bezeichnungen für diese Haufen sind aber noch
bekannt und hier lassen sich regionale Unterschiede
feststellen, wie auf der nebenstehenden Karte leicht zu
erkennen ist.
Da
fällt zuerst einmal auf, dass die Neigung dazu, die Sache zu
verkleinern, indem man ihr ein -li anhängt, in einem
breiten Streifen entlang des Rheins größer ist als im
mittleren und südlichen Schwarzwald. Während es in Ödsbach,
Ramsbach, Oberharmersbach, Schönberg und Schuttertal
Haihuffe heißt, spricht man in der Rheinebene von
Hai- oder Wetter-Hiffli, Hüffli oder Hiffle.
Und auch bei Schoche und Schöchli bzw.
Schechli ist eine solche Verteilung augenfällig.
Natürlich kennt man auch im Schoche- oder Huffe-Gebiet
die Verkleinerung, sie wurde aber interessanterweise nicht
oder nur selten genannt, während dies in den anderen
Gebieten die Regel war. Ob hier Rückschlüsse darauf gezogen
werden können, dass man einerseits größere und weniger,
andererseits kleinere und zahlreichere Haufen machte, ist
nicht sicher, aber eine mögliche Erklärung. Immer müssen
natürlich auch die landschaftlichen Unterschiede und die
dementsprechenden Arbeitsmethoden bedacht werden, die für
die unterschiedliche Bezeichnung verantwortlich sein können.
In Wehr jedenfalls scheint die tatsächliche Größe für die
Benennung keine entscheidende Rolle zu spielen, denn dort
sagt man: Schöchli im Heuet wie e Muus, im Äämdet wie e
Huus. Damit weist man darauf hin, dass später im Jahr
mehr Tau fällt und deshalb die Haufen für die Nacht größer
gemacht werden müssen.
Abgesehen von
diesen, die Größe betreffenden Unterschieden gibt es aber
auch verschiedene Namen für die Sache. Neben den bereits
genannten (Wetter- bzw. Hai-) Huffe und
Schoche findet sich im Osten Badens der Birling
oder der aus Seelfingen und Boll bei Meßkirch gemeldete
Berling. Hierbei handelt es sich um ein ganz
interessantes Wort, das von dem alten gemanischen Wort
bera für "tragen" abgeleitet ist, von dem auch noch
einige andere Wörter zeugen, wie etwa das Wort "gebären".
Die ursprüngliche Bedeutung von "gebären" kann nämlich mit
"austragen, zu Ende tragen" umschrieben werden. Auch in dem
Wort "Bahre" steckt das alte Wort für "tragen", was ja auch
in der Sache leicht nachvollziehbar ist. Was hat nun aber
unser Birling hiermit zu tun? Ganz einfach, bei einem
Birling handelt es sich um die Menge, die ein Mann
gerade noch tragen kann.
Aber auch der
Schoche ist im Grunde eine Mengenangabe. Er geht nämlich
zurück auf das selten gewordene Wort "Schock", das "eine
Anzahl von 60" bedeutet. Wahrscheinlich bezeichnete man
damit ursprünglich einen Garbenhaufen von 60 Stück, bis der
Schoche mehr und mehr die Bedeutung von "Haufen" an
sich bekam und auch auf andere Zusammenhänge übertragen
wurde, wo man von einer großen Menge sprechen wollte. So
kann man auf der Baar sagen, ein Korb ist gschochet voll,
wenn beim besten Willen nichts mehr darin Platz hat.
Anderswo wiederum spricht man davon, dass jemand ä
Schoche ruslacht, wenn er urplötzlich und heftig lachen
muss. Auch der Familienname Schöchlin hängt mit dem
Schoche zusammen und ist ursprünglich als ein
Übername, vielleicht für einen etwas kompakten Menschen,
aufzufassen. Der Familienname Birlinger dagegen hat
mit Birling nichts zu tun, denn hier kann man wohl
davon ausgehen, dass es sich um einen Herkunftsnamen
handelt. Damit bezeichnete man einen Zuwanderer, der aus dem
württembergischen Bierlingen oder dem elsässischen Birlingen
kam. Und auch diese Ortsnamen sind weit davon entfernt, mit
einem Heuhaufen in Verbindung gebracht werden zu können,
weil alle Ortsnamen, die mit -ingen enden, auf
Personennamen zurückgehen.
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