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Do hets battet
BBZ,
4. Juni 2005
Wäre die
Dialektumfrage unter den Lesern der Badischen Bauern Zeitung
eine Kartoffelernte gewesen, könnte man mit Fug und Recht
sagen: Do hets battet. Über 200 Leserinnen und Leser
haben geschrieben und die Grundlage dafür geliefert, dass in
den nächsten sechs Folgen jeweils eine Karte gezeichnet
werden kann. Deshalb ein ganz herzliches Dankeschön an
jeden einzelnen, der mitgemacht hat.
Gezeigt
hat sich aber auch, dass manche Fragen in der Formulierung
nicht ganz glücklich waren, so etwa die Frage: Wie heißt in
Ihrer Mundart „irgendwo“? Durch den Beispielsatz sollte eine
Hilfestellung gegeben werden. Herausgekommen ist da eher
eine Verwirrung, denn es gab etliche Antworten, aus denen
man entnehmen konnte, wo dieser vermaledeite Füller manchmal
steckt. Bei den einen war er im Griffelkästli, im
Mäppli oder in der Schublade, bei den anderen unter
de Ziting oder do und dört. Dennoch sind
genug Antworten zusammen gekommen, die Aufschluss über das
tatsächlich gesuchte Wort „irgendwo“ geben.
Vielleicht waren einige Leute auch deshalb unsicher mit der
Antwort, weil sie ihr Wort gar nicht als ein Wort empfinden.
Wer amenord sagt, weiß, dass die Wortgruppe „an einem
Ort“ als Bedeutung dahinter steht. Und wer übersetzt schon
ein Wort mit mehreren? Aber genau so, wie das Wort
zackerfahre, das auch aus mehreren zusammengezogen ist
und „pflügen“ heißt, ist amenord im Alemannischen
heutzutage eigentlich als ein einziges Wort anzusehen. Das
zeigt sich schon daran, dass es immer kürzer wird oder die
Grundlage fast nicht mehr zu erkennen ist, wie bei
ammerno in Königschaffhausen. Außerdem hat es eine
schillernde Vielfalt aufzuweisen. Oft gibt es an ein und
demselben Ort mehrere Möglichkeiten. Je nachdem, ob man das
Wort betonen will oder nicht, ist es kürzer oder länger. So
gibt es in Freiamt und St. Peter emord neben
amenord. Mancherorts mag man das verbindende n
zwischendrin nicht so recht und sagt ameord, anderswo
dreht man n und m einfach um, z. B. in Köndringen. Dort
heißt es anemord. Im Elz- und Kinzigtal ist dagegen
eher omenord, omeord oder omenod zu
hören.
Der
gleiche Variantenreichtum ist aber auch im Osten
auszumachen. Omme wurde zwar am häufigsten genannt.
Daneben gibt es jedoch auch omed im südlichen Hegau
oder omeds in Rietheim. Auf der Baar sind Formen mit
langem o anzutreffen (ohme, ohmed), oder schon
leicht schwäbisch anmutend oamed, oameds, oamels. Das
östlich der Hinteren Aach anzutreffende neame deutet
darauf hin, dass, obwohl auch diese Formen als Kurzformen
von „an einem Ort“ denkbar sind, ein anderes Wort mindestens
beeinflussend gewirkt haben muss, nämlich näume.
Dieses
Wort ist in einem Gebiet zu Hause, das sich klar
herauskristallisiert hat. Es scheint voll und ganz als ein
einziges Wort empfunden zu werden, obwohl auch ihm eine
Wortgruppe zugrunde liegt. Das Zusammenziehen und
Abschwächen hat nur schon viel früher angefangen. Denn schon
vor 500 Jahren wurde das ursprüngliche ne enweis wa,
das man übersetzen kann mit „weiß nicht wo“, zu neis-wa
zusammengezogen. Weitere Lautentwicklungen haben die Endung
abgeschwächt und das schwer zu sprechende s und w zu m
verwandelt, so dass naime herauskam, was in der
Südwestecke wiederum zu näume weiter entwickelt
wurde. Heute wird es als ein typisches Dialektwort
empfunden, was sich in guter Gesellschaft mit seinen
Geschwisterformen näumer („jemand“) und näumes
(„etwas“) befindet. Im Hotzenwald ist naime aber
offensichtlich nicht allein das gültige Wort. Mehrfach wurde
auch dort amenort gemeldet. Und im Münstertal fährt
man auch lieber mehrgleisig: Neben naime gibt es dort
auch die Mischform naimenord, nach dem Motto, man
muss um Verständigung nach allen Seiten bemüht sein.
Doch
damit ist der Variantenreichtum noch lange nicht erschöpft.
Drei Meldungen aus Schönberg bei Lahr, Nonnenweier und
Ichenheim lassen noch eine andere Form erkennen, nämlich
iene. Auf den ersten Blick seltsam anmutend, kommt einem
dieses Wort beim zweiten Hinschauen bekannt vor. Wenn man
ein n davorsetzt, erhält man ein niene, also ein
„nirgends“. Das verhält sich zu iene genau so, wie
„nirgendwo“ zu „irgendwo“ oder „nirgends“ zu „irgends“. Und
auch diese Wörter, die näher am Hochdeutschen anzusiedeln
sind, wurden genannt. Nördlich von Kehl findet man am Rhein
entlang irigs oder irjens und nach Osten hin
irgendwo, wie im Hochdeutschen.
Damit
wäre nun klar gestellt: Der Füller liegt amenord,
omme oder näume. Und wenn er wirklich nicht zu
finden ist, hed e d Katz gfresse.
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