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Hesch de Pfuuser?
BBZ, 25. Februar 2006
„Wer den Schaden
hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!“, sagt der
Volksmund und liefert damit eine Einschätzung, die auch für
das zutrifft, was heute Gegenstand unserer alemannischen
Dialektbetrachtung ist. Um den „Mumps“ geht es da nämlich,
also um die schmerzhafte Ohrdrüsenschwellung, die durch eine
Virusinfektion hervorgerufen wird.
Fast alle
Bezeichnungen, die es in Südbaden für diese Krankheit gibt,
sind bei genauerer Betrachtung wenig schmeichelhaft oder gar
tröstend. Im Gegenteil, das Erscheinungsbild, das der Kranke
abgibt, wird zum Benennungsgegenstand gemacht und zwar so,
dass eine gewisse Belustigung darüber unübersehbar ist. Wenn
im Breisgau gefragt wird „Hesch de Pfuuser?“, klingt
da auch ein klein wenig die Bedeutung des Zeitworts
pfuuse mit. Pfuuse tut nämlich auch der, der als
beleidigte Leberwurst die Backen aufbläst und schmollt, also
böse ist, weil er sich ungerecht behandelt oder anderweitig
zurückgesetzt fühlt. Hat er die Krankheit „Mumps“, sieht er
zwar genau so aus, das allerdings nicht aus freiem Willen.
Er kann nichts daran ändern, im Gegenteil, wenn es ihn nun
mal erwischt hat, muss er durch. „Bim eine gohts e Woch
un bim andere acht Dag“, lautet hier der augenzwinkernde
Hinweis, wobei auch gleich eine der wichtigsten
Bestimmungswörter bei unseren in Südbaden verzeichneten
Wörtern geklärt wäre. Neben Zusammensetzungen mit Ohre
haben wir es da nämlich hauptsächlich mit Kombinationen mit
Woche oder Wuche zu tun, selbstverständlich
ein Verweis auf die durchschnittliche Dauer der Misere.
Ähnlich
lächerlich wie der Pfuuser ist auch der
Wochedüppel, -dippel oder -tölpel. Der Grund
dafür ist einfach festzumachen. Ein großer, dicker Kopf ist
nunmal nicht Sinnbild für einen messerscharfen Verstand. Es
ist doch eher so, dass durch die angeschwollenen Ohrdrüsen
der Kranke einen dümmlichen Eindruck macht, was sich dann
eben in so wenig schmeichelhaften Worten wie Tölpel
oder Dippel niederschlägt. Diese Wörter sind erst
relativ spät bezeugt. Nach dem Herkunftswörterbuch von
Kluge-Seebold nennt man den Mumps in bestimmten Regionen
erst seit dem 19. Jahrhundert so. Davor hieß er demzufolge
anders. Aber wie? Vielleicht Malle, wie in der Gegend
um Meßkirch und Pfullendorf? Das ist eher fraglich, weil
auch diese Bezeichnung ein Übername ist, aus dem nicht
ablesbar ist, wie lange er schon auf die Krankheit
angewendet wird. Das Wort Malle bedeutet in dieser
Region auch „Kater“ und dessen dicker Kopf, der für Kater
typisch ist, wurde wohl als Benennungsmotiv für die
Krankheit hergezogen.
Überall geht es bei
der Benennung dieser Krankheit also um den dicken Kopf. Was
aber steckt hinter dem Mousche in der Ortenau, der
noch eine Menge Spielformen aufweist? In Kippenheimweiler
kennt man den Moischl, in Hugsweier den Moisis
und in Altenheim den Mauses. Hier gibt es berechtigte
Vermutungen, dass diese Bezeichnungen zu dem jüdischen
Vornamen „Moses“ gestellt werden können. Es könnten aber
auch Verbindungen zu Mauch gezogen werden, einem Wort
mit schillernden Bedeutungen. Sowohl die Pferdekrankheit,
als auch eine bestimmte Kröte oder der Zuchtstier kann so
mancherorts bezeichnet werden. Daneben gilt die Bezeichnung
auch für Angehörige von Familien, die nicht seit eh und je
ortsansässig waren. Diese mussten sich früher diese
Bezeichnung gefallen lassen, die den Verweis auf etwas
Verstecktes, Hinterhältiges in sich birgt.
Natürlich sind auch
damit noch nicht alle Benennungen im Land aufgezählt.
Mischformen und Einzelbelege gibt es zuhauf. So wurde aus
Ottersweier die Bezeichnung Wachsknittel gemeldet,
während man in Karsau angibt, den Wocheglunki zu
kennen, worin ja auch ein leichter Tadel steckt. In
Hofstetten benennt man die Sache mit Ohreklemmer.
Hier kann man wohl sagen, dass damit endlich mal ein wenig
Mitgefühl ausgedrückt wird. Denn die Krankheit wird mit
ihrer bösen Eigenschaft in Verbindung gebracht: Sie sitzt am
Ohr und kneift. Wohl dem, der sie überstanden hat, er hat
dann sein ganzes Leben lang Ruhe davor.
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