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Schwarz wie die Kirsche,
grau wie die Katze, blau wie der Blitz
Badische Zeitung 10. November 2000
Wissen Sie, was
munggelibruun oder gäggeligääl ist? Nein? Dann
wird es höchste Zeit, dass Sie sich mit den mundartlichen
Farbbezeichnungen auseinandersetzen. Die werden nämlich noch
aussagekräftiger, wenn Vergleiche herangezogen werden, die
die eigentliche Farbe unterstreichen. Das kennt man zwar
auch aus dem Hochdeutschen bei Bezeichnungen wie „feuerrot"
oder „rabenschwarz", interessanterweise hat aber die Mundart
eine Reihe von eigenen Vergleichen in stattlicher Zahl.
Während man in der Standardsprache die Farbe der Kirschen
spontan mit rot angibt, sind im Alemannischen die Kirschen
typisch für die Farbe schwarz, wie man der Farbbezeichnung
krieseschwarz entnehmen kann. Auch beim Fuchs gibt es
Abweichungen. Zwar kennt auch der Dialektsprecher den roten
Fuchs, daneben kann aber auch von fuchsbruune Fleckli
an Trauben gesprochen werden. Und dass der Schwefel zwingend
als gelb eingestuft werden muss, ist auch nicht gesagt. Hier
soll es auch schwefelbruun geben.
Überhaupt fällt auf,
dass oft Vergleiche angestellt werden, die nicht als
ausgesprochen typisch eingestuft werden können. Beim Hahn,
der sonst eigentlich ein Sinnbild für Farbigkeit ist,
scheint in der Mundart eher der rote Kamm Eindruck zu
machen, wie an der aus Freiburg gemeldeten Farbbezeichnung
gullerrot abzulesen ist. Und Katzen, die
erfahrungsgemäß alle möglichen Farben haben können, müssen
herhalten, wenn über das düstere Wetter gesprochen wird:
S isch ganz katzegraü dusse sagt man beispielsweise in
Reute. Ob hier allerdings tatsächlich ein Vergleich
zugrundeliegt, muss doch bezweifelt werden. Viel eher wird
hier wohl an eine Steigerung gedacht. Dafür sprechen andere
Eigenschaftswörter wie katzeniächter für ‚gänzlich
nüchtern‘ oder katzhajelvoll für ‚schwer betrunken‘.
Warum die Katze allerdings so oft mit dem Alkohol in
Verbindung gebracht wird, besonders wenn der aus dem
Hochdeutschen bekannte ‚Kater‘ noch dazugezogen wird, ist
rätselhaft.
Doch zurück zu den
Farben. Auch bei zahlreichen weiteren Beispielen werden aus
Vergleichen unter der Hand Steigerungen. Zwar kann es
harmlos anfangen, etwa mit einer kohlschwarzen, einer
krappenschwarzen (‚rabenschwarzen‘) oder einer
beerschwarzen Nacht. Ist es aber so dunkel, dass man die
Hand vor Augen nicht mehr sieht, dann ist es bestimmt eine
kohlbeerschwarze oder, wenn es ganz schlimm kommt,
sogar eine kohlpechrabeschwarze Nacht.
Bei der Farbe Rot wird
auch in der Mundart gern das Feuer als Vergleich
herangezogen. Doch auch hier gibt es Steigerungen. Hat
jemand zu tief ins Glas geschaut, kann es vorkommen, dass
seine Nase fiirritzerot wird, manchmal auch
fiirbrinnigrot (‚feuerbrennendrot‘). All diese
Bezeichnungen sind Zusammenziehungen von jeweils einfachen
Formen, fiirritzerot gibt es also auch als fiirrot
und ritzerot. Bei letzterem zeigt sich die Vorliebe
in den Farbbezeichnungen für stabreimende Wortschöpfungen,
also Wörter, deren Glieder mit dem selben Laut beginnen. Bis
zur Einführung des Christentums und dem damit aufkommenden
Endreim war dies die übliche Reimform. Zwar sind solche
Formen eher im fränkischen Nordbaden bekannt, wie
blitzblau, gritzgrau, brinzel- und britzbraun
belegen. Doch auch im alemannischen Teil knüpft man mit
gäggeligääl an diese stabreimende Tradition an. Mit
diesem intensiven Gelb wird auf den Dotter des Eis, des
kindersprachlichen Gaggeli, angespielt.
Manche Farben sind
jedoch nur zur Bezeichnung bestimmter Sachverhalte
reserviert. Gnischdblau oder chnüschblau kann
nur die Haut sein, entweder weil sie blaugefroren ist oder
weil man sich einen Bluterguss zugezogen hat. Das hängt mit
dem ersten Wortglied zusammen, das sich von gnischde
oder gnüdsche herleitet, ein mundartliches Wort für
‚quetschen‘. Dagegen ist munggelibrüün eine Farbe,
die für alles mögliche herhalten kann, gerade weil sie so
undefinierbar ist. Auch die oft gebrauchte nähere
Erläuterung munggelibruun wiä ä Hirdsefüüdle (‚wie
ein Hirschhintern‘) hilft da nicht weiter, denn die Angaben
zu dieser Farbe reichen von ‚missfarben braun‘ über
‚gelblich braun‘ bis zu ‚braun mit weißen Spritzern‘.
Dennoch weist man sich als Kenner des Alemannischen aus,
wenn man zur rechten Zeit bestimmte Sachen als
munggelibruun erkennt. Am besten noch bevor man
kääswiss wird. |