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Von gebackenen Flohherzchen
und
gebratenen Heringsseelen
Badische Zeitung 2. Juni 2000
Auf dumme und lästige
Fragen oder als solchermaßen empfundene, kann (nicht nur) im
Alemannischen auf humorvolle Art und Weise reagiert werden.
Natürlich sind dem schlagfertigen Menschen hier keine
Grenzen gesetzt, aber auch dem weniger spontan Veranlagten
stehen eine Reihe von Redewendungen zur Verfügung, die zu
den entsprechenden Fragen, wie Was machsch? oder
Wuhi gohsch?, geprägt wurden.
Äußerst geschäftig
wird in Triberg auf die Frage Was machsch doo?
geantwortet: E Handheebi an e Määlsag un e Schlaubfe
owedra. Natürlich hat noch niemand einen Griff an einem
Mehlsack gesehen, der zudem mit einer Schleife verziert
wird. Deshalb wird dem Fragenden ziemlich schnell klar, dass
er sich doch bitte mit seiner Fragerei zurückhalten solle.
Auch die Antwort E Schnalle aane Gausfiedle (‚einen
Verschluss an einen Gänsehintern‘), die in Meßkirch gehört,
aber auch so ähnlich aus anderen Orten gemeldet wurde (E
Riegel an e Gänsarsch! aus Diersheim), zielt darauf ab,
die Fragerei abzustellen. Unbedarfte Gemüter werden mit
einer Antwort aus Lörrach vielleicht zum Nachdenken
angeregt: Jungi, bis di Alde ferdig sin.
Aber auch der
Häfelischmecker (‚Topfgucker‘) wird auf seine Frage Was
gits z‘esse? gerne mit Antworten abgespeist, die ihn in
seine Schranken weisen wollen: Umbaiserippli un Eidersoß
(‚Ameisenrippchen und Eitersoße‘) ist eine mögliche
Antwort aus Freiamt, die ebenso wie eine andere Auskunft
süüri Schnurre un Bei underem Disch (‚saure Schnauze und
Beine unterm Tisch‘) nur noch pro forma, durch die
diesbezüglich übliche Zweigliedrigkeit, etwas mit einem
Gericht zu tun hat. Weniger derb, aber dennoch den
Auskunftsuchenden verhöhnend, antwortet man in der Ortenau:
Bachini Flohherzle un brodini Härigsseele (‚gebackene
Flohherzchen und gebratene Heringsseelen‘) oder Gifitz un
bachini Hauleitere, wobei es sich bei letzterem um
gebackene Heuleitern handelt, Gifitz aber nicht definiert
werden kann, nur seltsam drohend anmutet. Ziemlich
spartanisch fällt eine Auskunft aus, die in Südbaden weit
verbreitet ist: Nix un z Owe brode mers (sinngemäß:
‚Nichts, und wenn noch etwas übrig bleibt braten wir es am
Abend‘).
Ganz hohe Erwartungen,
die bei genauerem Hinsehen buchstäblich ins Nichts
zusammenfallen, können auf die Frage Was hesch mer
mitbroocht? geweckt werden. E goldigs Nigsle un e
silwerigs Wartewil kann in Appenweier geantwortet werden
oder in Ettenheim: E goldigs Niddili un ä lange Denkdra.
Jedoch, das ‚Nixlein‘ entpuppt sich als ein kleines ‚Nichts‘
und das ‚Wart-eine-Weile‘ wird durch seine silbrige
Eigenschaft auch nicht wertvoller, ebensowenig wie das ‚Denkdran‘
durch seine Länge. Ganz phantasievoll wird es, wenn Kindern
als Mitbringsel e Nienewägili un e guldigs Nüteli in
Aussicht gestellt wird, denn ein ‚Wägelchen‘ scheint
vielversprechend. Allerdings handelt es sich hier um eine
Wortschöpfung mit niene ‚nirgends‘ und zerrinnt
deshalb, bevor es vorgefahren ist.
Und was kann man hören
auf die Frage Wuhi gohsch? Auch hier sind der
Phantasie keine Grenzen gesetzt. In Rheinbischofsheim geht
man in diesem Fall Helbedridsche fange und meint
damit die geheimnisvollen Tiere, die auch unter der
Bezeichnung ‚Elbentritschen‘ bekannt sind. Aber auch die
simple Bemerkung Zu de Nainenaindsiger. Demit s hundert
sind! ist durchaus eine angemessene Antwort, mit der man
hofft, den Fragenden für diesmal abgewimmelt zu haben.
Es ist wohl
anzunehmen, dass die „Opfer" dieser Antworten meistens
Kinder sind. Bei einer aus Nordbaden gemeldeten Entgegnung
scheint der Stiel aber umgedreht zu werden: Auf die Frage
Wem g‘hörscht? antwortet man: Dir net, em Frache noch.
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