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Wenn de Günkel
Günkel trinkt,
ziägt's em 's
Hem in de Hose zämme
Badische Zeitung 8. November 2000
Nicht immer ging es
bei der Weinproduktion so üppig zu wie heute. Es gab Zeiten,
da wurde das Letzte herausgepresst, was die Traube hergab.
Dazu wurden oft die Pressrückstände aufgelockert und mit
Wasser übergossen einige Stunden stehen gelassen, um sie
dann noch einmal einer Pressung zu unterziehen. Manchmal
wurde auch Zucker zugesetzt. Das Ergebnis war hier und da
unter dem Namen Haustrunk bekannt, das aber nicht unbedingt
als bodenständiges Wort gilt. „Im Laden verlangt man
Moschtansatz, auf der Verpackung ist Haustrunk
aufgedruckt, dadurch lernt man Huusdrunk sagen" wurde
1933 dem Badischen Wörterbuch aus Schopfheim mitgeteilt. In
Ihringen dagegen sagte man Drinkwii ‚Trinkwein‘,
anderswo sprach man vom Dreberwii oder
Dreberwasser (‚Treberwein‘, bzw. ‚-wasser‘), wobei
letzteres darauf hindeutet, dass die Bezeichnung ‚Wein‘ fast
zu schade schien, um dieses Getränk damit zu bezeichnen.
Weit verbreitet ist auch der Ausdruck ‚Läurebrühe‘ (Liiribriäi,
Luuribrüäi und ähnliches) oder einfach ‚Läure‘ (Liire,
Lüüre), ein Wort, das auf das lateinische lora bzw.
lorea ‚mit Wasser versetzter Wein‘ zurückgeht.
Wo die Qualität so
sehr zu wünschen übrig lässt, ist der Weg zu abschätzigen
Bezeichnungen nicht weit. Schon die Läurebrühe lässt nichts
Gutes ahnen, daneben gibt es aber noch eine ganze Reihe von
Benennungen, deren versteckter oder offener Hohn zum Greifen
ist. Allerdings sind hier die Übergänge von dem sogenannten
Haustrunk zu qualitativ einfach schlechtem, insbesondere
saurem Wein, manchmal fließend. Wenn man in Tiengen vom
Bempeliwii spricht, weckt dies Assoziationen zu
bampele ‚baumeln‘. Dieses Motiv scheint beliebt zu sein
bei der Benennung von minderwertigem Wein, denn in
Friesenheim ist der Glunkerer zu finden, der vom
relativ verbreiteten Hemdglunker noch Unterstützung
bekommt. Diese Wörter gehen auf glunkere zurück, ein
anderes Wort für ‚baumeln‘ oder ‚schlaff herabhängen‘. Wenn
sich dazu noch der Günkel gesellt, wie aus dem
Markgräflerland gemeldet, ebenfalls ein Wort für
minderwertigen Wein, das von einer Bezeichnung für ‚sich
schwingen, baumelnd schaukeln‘, nämlich gunkle kommt,
kann nicht mehr bestritten werden, dass im alemannischen
Sprachraum ‚schlaff herumhängen‘ als verwerflich gilt, denn
neben dem minderwertigen Wein sind Namen wie Glunkerer,
Hemdglunker und Günkel auch Bezeichnungen für Taugenichtse
oder Müßiggänger.
Doch der
Erfindungsreichtum ist unermesslich, wenn es darum geht, auf
humorvolle Weise auf die schlechte Qualität von Wein
anzuspielen. Ganz gebildet gibt man sich am Bodensee. In
Anlehnung an den aus Italien bekannten Wein „Lacrimae
Christi" (‚Tränen Christi‘), spricht man dort nämlich vom
Lacrimae Petri in Anspielung auf die Stelle in
Matthäus 26, 27 „... er ging hinaus und weinte bitterlich",
wenn man zum Ausdruck bringen will, dass der vorgesetzte
Wein drauf und dran ist, diese Reaktion hervorzurufen. Auch
der weit verbreitete Simsegrebsler, mit seinen
Varianten Simsegradler und Simsegumser ist
nicht viel besser. Von ihm wird nämlich oft berichtet, er
sei so sauer, dass es eim s Hem in de Hose zämmeziägt
(‚das Hemd in der Hose zusammenzieht‘). Dabei kann dieser
Wein ja auch gar nicht hohen Anforderungen genügen, denn der
Hauptzweck seiner Anpflanzung dient der Verschönerung der
Hauswand und den Fenschdersimse
(‚Fenstervorsprüngen‘), an denen die Pflanze hochklettert.
Die Qualität der Traube ist da Nebensache.
Ganz unglaublich
schlecht muss auch der Dreimännerwii sein, dessen
Niveau so gering ist, dass „zwei Männer den Trinker halten
müssen, dass er nicht vor Entsetzen hinfällt". Kann da der
Siebemännerwii noch schlimmer sein, von dem bekannt
ist, dass „sieben an einem Glas genug haben"? Wohl kaum. Auf
jeden Fall lässt da die weinselige Laune grüßen, in der
solcherlei humorvolle Bezeichnungen entstanden sind. |