Der eine läuft mit
Fingge rum, der andere mit
Däbber
Badische Zeitung 6. Juni 2001
Wenn der Lörracher nach Hause kommt,
zieht er sich die Finggen an und verschwendet in der
Regel keinen Gedanken daran, dass dieser Name für die
Hausschuhe schon nördlich von Staufen oder Todtnau selten
bis unbekannt ist. Zwar gibt es wohl auch in Freiburg und
Umgebung ein paar wenige Finggeträger. Doch hier ist
es wahrscheinlich, dass diese zugewandert sind und ihre
Gewohnheit mitgebracht haben. Denn der überwiegende Teil der
Freiburger greift beim Nachhausekommen zu den Schlabben,
genauso wie die meisten Leute im Breisgau und in der
Ortenau. Ob den Schlabbeträgern aber bewusst ist,
dass sie hier im Grunde ein niederdeutsches Lehnwort
benutzen, also eines, das weit oben im deutschen Norden
zuhause ist? Wohl kaum. Es ist zwar nicht schwer, eine
Verbindung von dem Wort Schlabben zu ‚schlapp‘
herzustellen, denn normalerweise handelt es sich hier um
bequeme Schuhe, die oft keine Ferse haben und daher nur
einen lockeren Halt bieten. Und auch unter dem Wort
‚schlapp‘ kann sich jedermann etwas vorstellen. Dass
‚schlapp‘ bei uns aber ‚schlaff‘ heißen müsste, genauso wie
zu niederdeutsch ‚slapen‘ hier ‚schlafen‘ gesagt wird, ist
schon weniger bekannt. Erst seit etwa dem 17. Jahrhundert
breitete sich dieses Wort, begünstigt durch die
Militärsprache, im oberdeutschen Raum aus.
Wer nun aber denkt, dass Fingge
das uralemannische Wort ist, muss zumindest zur Kenntnis
nehmen, dass das Wort im Allgemeinen auf das
mittellateinische Wort ‚ficones‘, mit dem Mönchsschuhe
bezeichnet wurden, zurückgeführt wird, wobei sich weitere
Ursprünge im Dunkeln verlieren. Dazu kommt, dass auch im
alemannischen Finggegebiet relativ häufig Schlabbe
auftauchen. Das kann daran liegen, dass hier manchmal auch
sachlich unterschieden wird. Denn aus Grenzach-Wyhlen wurde
gemeldet, dass Fingge die Hausschuhe für die Frauen
seien, während Männer Schlabbe oder Schlurbe
tragen. Und in Schallbach bezeichnet man mit Fingge
die warmen Hausschuhe für den Winter. Im Gegensatz dazu
trägt man Schlabbe im Sommer. In Zell-Weierbach wird
dagegen innerhalb der Schlabben unterschieden. Dort
sagt man zu den hohen Hausschuhen, wie sie gerne von
Großmüttern getragen wurden, Großlischlabbe.
In Furtwangen, Gütenbach, Schönenbach,
Vöhrenbach und Oberprechtal ist es üblich, sich die
Däbber anzuziehen, und aus St. Märgen kommen noch die
Däbberle dazu. Hier zeigt sich einmal mehr, dass es auch
immer wieder sehr kleinräumige Besonderheiten gibt, die sich
aber wacker halten. Sicher sind die Däbber auf das
Wort ‚tappen‘ zurückzuführen, während eine mehrfach aus
Weisweil gemeldeten Besonderheit, Füde oder Füüde,
rätselhaft ist.
Natürlich wurden auch des öfteren
Schlurbe erwähnt. Dies jedoch immer zusammen mit anderen
Bezeichnungen, so dass die Vermutung naheliegt, dass es sich
dabei wohl in erster Linie um alte Schuhe handelt, die
vielleicht noch eine Weile als Hausschuhe dienen. Wenn man
in Breisach sagt Dü besseresch dich wiänä alde Schlurbe
(nämlich überhaupt nicht), dann wird dabei genau dieser
Aspekt angesprochen.
Neben den hin und wieder auftauchenden
Ladschen, ein Wort, das im gesamten deutschen
Sprachraum zu finden ist, sind aber doch noch ein paar
Besonderheiten erwähnenswert. Aus Oberkirch, St. Georgen im
Schwarzwald und Jostal wurden Stubeschue gemeldet und
aus Buchholz und Simonswald kommen die Stubeschlabbe.
Ein Hinweis auf das Material für die Hausschuhe, steckt in
der Bezeichnung aus Kiechlinsbergen, Wullschlabbe,
sowie der aus Seefelden und Falkensteig, Wulleschue,
während in Gundelfingen auch der Stoffschuh bekannt
ist. Zu der letzteren Kategorie gehören auch die nur einmal
gemeldeten Endifinggen, ein Name, aus dem eine
frühere Praxis der Hausschuhherstellung ablesbar ist: Aus
Tuchenden wurden diese, ähnlich wie die Strohschuhe,
geflochten.
|