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Die
einen kiddere, die anderen
giggele
Badische Zeitung 30. Mai 2000
Der Satz Un jedsmool, wenn
s in some Film ernscht wird, fangts Klärli aa z'kiddere ...,
führt uns direkt in die Thematik. Es gibt ein Lachen, das heimlich,
halblaut, stoßweise, anhaltend oder gackernd sein kann, wie im oben
beschriebenen Fall nicht angemessen ist und dazu herhalten muss,
Unsicherheit und Unangenehmes zu überspielen. Ganz recht, es handelt
sich ums Kichern, ein Wort, das auch im Alemannischen nicht selten
verwendet wird. Noch eigentümlicher aber ist das oben erwähnte Wort
kiddere, das weit verbreitet ist, denn von Mannheim bis an den
Bodensee ist es in ganz Baden bekannt und gebräuchlich. Aber auch
kuddere, wie häufig in Nordbaden, und guddere kann man
vereinzelt hören. Natürlich ist sowohl kiddere, als auch
kuddere, sowie das hochdeutsche kichere lautmalerisch
motiviert. Bei dem Wort guddere denkt der Dialektsprecher
aber fast unweigerlich an das Wort Gudder ‚Korbflasche‘, denn
das glucksende Geräusch, das beim Ausschenken aus einer solchen
Flasche entsteht, ist dem stoßweisen Lachen aus pubertären
Mädchenkehlen nicht unähnlich.

Wir befinden uns hier
allerdings in einem Wortfeld, bei dem oftmals am selben Ort mehrere
Bezeichnungen möglich sind. Dennoch lässt sich für pfidderle,
bzw. pfiddle oder pfiddere, doch ein Kerngebiet in der
Schwarzwald/Baar-Gegend festmachen. Wa hond denn ier scho wider
z' pfitterid? kann man beispielsweise in Hattingen aufschnappen
und den ungehaltenen Ton des Nicht-Eingeweihten dabei direkt
heraushören. Desweiteren ist vereinzelt pfnudsge, pfudsge und
ähnliche Varianten als Bezeichnung für das förmlich herausbrechende
Lachen möglich, wobei der Übergang zu anderen Bedeutungen, wie
‚niesen‘ oder ‚mit großem Druck durch eine schmale Öffnung
herausschießen‘ (von Wasser gesagt), fließend ist.
Giggeled wird häufig im
Markgräflerland und die, die das tun, werden verdächtigt,
Giggelesuppe gegessen zu haben. Das hat in diesem Fall nun
wirklich nichts mit der moderne Suppe aus der Tüte zu tun, die
vereinzelt auch Giggilisuppe genannt wird (eine Verkleinerung
von Guggel ‚Tüte‘), sondern ist eine Wortschöpfung mit
giggele und kann getrost mit ‚Kichersuppe‘ übersetzt werden.
Dass hier irgendwo eine Anbindung zu Hühnchen und deren Gackern
gesucht werden kann, ist zumindest nicht von der Hand zu weisen.
Ganz sicher kann aber eine
Verbindung zum Tierreich bei dem Wort meggele gezogen werden,
wie es vereinzelt gebraucht wird. Denn neben ‚meckern‘, ‚blöken‘ und
‚wiehern‘ kann auch ‚lachen‘ oder ‚kichern‘ damit gemeint sein.
Dass das Lachen oft mit dem
Meckern der Ziege in Verbindung gebracht wird, ist auch an dem Wort
haddle, bzw. häddle abzulesen, was ebenfalls ‚meckern‘
und ‚wiehern‘ bedeuten kann, auf Menschen bezogen aber auch
‚kichernd lachen‘. Hier stand nicht die Stimme des Tieres Pate,
sondern das Tier selbst, denn mit Haddle wird in weiten
Teilen Badens die weibliche Ziege bezeichnet, vereinzelt aber auch
andere weibliche Tiere, wie Hase, Schaf oder Reh.
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