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Dem Drümmelmaa wird so schnell nicht schwindlig
Badische Zeitung 7. November 2000

Noch scheint die Zeit nicht reif dafür zu sein, dass der gute, alte Tanzkreisel neu erfunden mit einem modernen Namen aus Amerika zu uns herüberkommt, obwohl die Erinnerung an ihn hierzulande langsam verblasst, er somit also wieder etwas Neues wäre. Einst war der hölzerne, mit einer Peitsche angetriebene Kreisel ein beliebtes und bedeutendes Spielzeug, für das es höchst unterschiedliche Bezeichnungen gab, die heute wohl mehr und mehr aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Doch lohnt es sich, die einzelnen Namen Revue passieren zu lassen und sich die emotionale Bedeutung, die sich in der teils liebevollen Benennung niederschlägt, bewusst zu machen. Neben dem weit verbreiteten Danzknopf, ein Wort, das sich eigentlich selbst erklärt, gibt es im Alemannischen nämlich noch einige Besonderheiten.

Als würde es sich um einen kleinen Freund handeln, wird der Tanzkreisel in einem großen Teil des Breisgaus Hurrlibue genannt, während er in einem kleineren, angrenzenden Gebiet einfach nur mit Hurrli bezeichnet wird. Dieser Wortbildung liegt ein Verb zugrunde, das heute nur noch selten belegt ist, hurrle, was aus dem Markgräflerland mit ‚durcheinanderschneien und regnen‘ erklärt wird und allgemeiner mit ‚wirbeln‘ übersetzt werden kann. Auch bei Johann Peter Hebel kann man von einem Hurrlebaus lesen, einem ‚Sturmwind‘, ein Wort mit dem man, wohl weil es so einen lustigen Klang hat, in Eichstetten, Seefelden und Buggingen auch den Tanzkreisel benennen konnte. Aber auch wirwle, ‚wirbeln‘ ist dem Alemannischen nicht fremd, wie der Wirwel bei Schopfheim belegt.

In einem kleinen Gebiet im Markgräflerland kann man dagegen von einem Drümmelmaa hören, eine Bezeichnung, die auf ein ausgesprochenes Dialektwort zurückgeht: drümmle ‚taumeln‘, verbreiteter noch in dem Eigenschaftswort drümmlig oder drimmlig ‚schwindlig‘. Dass es dem Drümmelmaa (dem Trümmelmann) bei der Behandlung mit der Peitsche schon mal drümmlig werden kann, ist ja wohl auch kein Wunder.

Ein Wort mit einer schillernden Vielfalt in seiner Bedeutung ist Habergeiß, wie der Kreisel in einem ziemlich großen Gebiet im südlichen Schwarzwald und der Baar genannt wird. Neben der Hauptbedeutung ‚Ziege, die im Spätjahr Junge gebiert‘, kann mit der Habergeiß auch die letzte Hafergarbe bei der Ernte gemeint sein oder die Person, die die letzte Handvoll Hafer schneidet. Ebenso kann eine magere Frau oder ein Weberknecht damit bezeichnet werden. Das Wort Habergeiß hat mit dem Hafer allerdings nur bedingt etwas zu tun. Vielmehr liegt hier ein germanisches Wort für den Ziegenbock zugrunde, das auch im Lateinischen als  caper zu finden ist. Auch der Hafer hat seinen Namen daher und könnte eigentlich mit ‚Ziegenbockkraut‘ übersetzt werden. Dass diese doppelt gemoppelte „Ziegenbockziege" den Namensgeber für den Kreisel abgibt, kann eigentlich nur mit den lustigen Sprüngen von jungen Ziegen zu tun haben, die man zum Vergleich herangezogen hat.

Aber auch der Spitzbu(e), der in einem kleinen Gebiet im nördlichen Schwarzwald sein Zuhause hat, muss seine Bezeichnung mit anderen Bedeutungen, besonders mit dem ‚Schelm‘, aber auch mit einem bestimmten Weihnachtsgebäck, teilen. Hier kann jedoch auf den kosenden Aspekt des Wortes verwiesen werden, wenn die Erklärung, dass der Kreisel ja zwingend eine Spitze haben muss, auf der er tanzt, nicht ausreicht.

Im westlichen Markgräflerland ist schließlich noch der Surri zu nennen, der im Elsaß weitere breite Unterstützung findet. Diese von dem Tätigkeitswort ‚surren‘ abgeleitete Bezeichnung ist im übrigen, wie auch der Hurrli, ein Beispiel für ein bis heute produktives Wortbildungsmittel im Alemannischen. Bei Bedarf kann ein Verb durch Anhängen eines -i in ein männliches Substantiv verwandelt werden; das Ergebnis hat allerdings oft einen leicht abfälligen Beigeschmack, wie der Glunki oder der Schluuri, beides Bezeichnungen für einen Taugenichts, belegen.

 

 

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