Wo das Küken Bibbili,
Waiseli oder Zibbili heißt
Badische Zeitung 31. Mai 2001
Nicht nur zwischen Schrift-,
Umgangssprache und Mundart gibt es Unterschiede. Auch in der
Mundart selbst können noch einmal Schichten frei gelegt
werden, was den Geltungsbereich von mundartlichen
Bezeichnungen angeht. Ein Beispiel hierfür ist die Benennung
für das Hühnerküken. Übergeordnet in ganz Südbaden und sogar
nördlich über die alemannische Sprachgrenze noch hinaus,
spricht man in diesem Zusammenhang vom Bibbili, Bibbeli,
Bibbile oder Bibbele. Diese vier Varianten wurden
für das gesamte Verbreitungsgebiet der BZ gemeldet. Eine
wirklich eindeutige Verteilung der Endungen, ob -li
oder -le, ist dabei nicht festzustellen. Allerdings
kommen die -li-Formen zusammen etwa drei mal so
häufig vor wie die -le-Formen und können wohl als die
ursprüngliche Form gelten, denn besonders häufig sind die
-le-Endungen in Städten anzutreffen. Ob für die
überregionale Verbreitung des Bibbili der berühmte
Bibbili(s)käs verantwortlich ist oder nicht, muss offen
bleiben. Fest steht jedoch, dass dieser seinen Namen
tatsächlich von den Bibbili hat, denn denen wurde der
selbst hergestellte Quark als erste Nahrung vorgeworfen. Da
ist es nicht verwunderlich, dass der Bibbiliskäse
früher im Gegensatz zu heute nicht gerade als Delikatesse
gehandelt wurde und es um Oberkirch als Korb gedeutet wurde,
wenn die Auserwählte dem Werber dieses Gericht vorsetzte.
Doch wer gedacht hat, die Frage nach dem Küken im
Alemannischen sei mit den Bibbili und den Bibbele
erledigt, kann sich auf Überraschungen gefasst machen.
Unterhalb dieser Bibbili-Sprachschicht lassen sich
noch regionale Besonderheiten freilegen. Da ist vor allem
das große Waiseli-, Weiseli-Gebiet südlich von
Freiburg zu nennen, zu dem noch einige versprengte
Waiseli-Nennungen nördlich davon kommen. Diese
Bezeichnung gibt Rätsel auf, denn sowohl eine Anbindung an
die Farbe „weiß", als auch an das Wort „weisen", das mit der
Erklärung „geführte Schar" in Verbindung gebracht werden
könnte, scheidet aus lautgesetzlichen Gründen aus. Dagegen
scheint das Wort eher etwas mit ‚winseln‘, hier im Sinne von
‚einen klagenden Ton hören lassen‘, zu tun zu haben.
Daneben gibt es aber noch andere
regionale Besonderheiten. Relativ klein ist das Gebiet, wo
man zu den Küken Zibbili oder Zibbli sagt. Es
umfasst nämlich nur den östlichen Teil des Breisgaus mit
besonders vielen Meldungen aus Ottoschwanden und Freiamt und
findet seine südliche Grenze innerhalb Freiburgs: In
Zähringen und Betzenhausen hört man noch Zibbili,
während man in den anderen Stadtteilen überwiegend
Bibbele bzw. Bibbili sagt. Der Grund für diese
Benennungen liegt wohl auf der Hand. Wer einmal gesehen und
gehört hat, wie eine Kükenschar hinter der Glucke herläuft,
wird sich denken können, dass sowohl Bibbili als auch
Zibbili treffende lautmalerische Bildungen sind.
In Teilen der Ortenau über einen
großen Teil des Kaiserstuhls hinweg bis nach Pfaffenweiler
bei Freiburg begegnet uns neben dem überregionalen
Bibbili außerdem das Gliggerli oder Glüggerli,
das sich außerdem teilweise mit dem Zibbili-Gebiet
überschneidet. Aus Wettelbrunn gesellt sich hier noch das
Gluggerli dazu, von Ortenberg und Ohlsbach kommt das
Gluggili und in Schmieheim und Jechtingen ist das
Gligli zu Hause. All diese Formen beziehen sich auf
Glugge bzw. Gluggeri, wie die Gluckhenne in der
Mundart heißt. Aus dem Glüggerli, dem Kleinen der
Gluggeri, wird in Gebieten wo ü zu i wird, so das
Gliggerli und kommt in manchen Orten unverhofft einem
ebenfalls in der Umfrage abgefragten Begriff ins Gehege,
nämlich dem Klicker.
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