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Wer kommt aus Nimburg, wer aus Guebwiller?
Badische
Zeitung 7. Juni 2000
Wer weiß, wo der Ort ‚Tollohren‘ liegt? Wohl kaum
jemand. Man wird auch niemanden finden, der dort herkommt, denn
gewöhnlich erfährt man von diesem Ortsnamen nur, wenn jemand sagt:
Ich bin doch nit von Doloore! Hauptsächlich aus der
Bodenseegegend ist dieser Satz bekannt, denn dort kennt man auch den
Doloori, den ‚Tollohri‘. Es handelt sich hierbei um einen
Schwerhörigen und damit erschließt sich auch der Sinn des eben
zitierten Satzes, denn der Sprecher meint: Ich höre und begreife
ganz gut. Ich brauche keine Behandlung, wie jemand, der durch den
Namen seines Herkunftsorts schon verrät, welch Geistes Kind er ist.
Solche Art von Sprachscherz wird auch mit anderen
Ortsnamen getrieben. Dabei kommt es nicht darauf an, ob es diesen
Ort wirklich gibt. Notfalls kann auch einer erfunden werden und
durch für Ortsnamen typische Zusätze wie ‚-hausen‘, ‚-heim‘ oder ‚-ingen‘
ein wirklicher Ort vorgetäuscht werden. Besonders im Zusammenhang
mit Geiz oder Freigebigkeit gibt es hier verschiedene Möglichkeiten.
Des isch kainer vun Gewehuuse, sagt man in Offenburg und
meint damit, dass er nicht gern gibt, also ziemlich ghääb
ist, mit anderen Worten: einfach geizig. Auch aus Gebsm (Gebsheim)
oder Gebersche (Gebersheim) sind die Leute gewöhnlich nicht
und das liegt nicht nur daran, dass es zumindest den ersten Ort
ebenfalls nicht gibt. Wie sehr diese Sprachspiele auf den
Ortsdialekt abgestimmt sein müssen, wird am Beispiel Gengenbach
deutlich. In der Ortenau kann man nämlich hören: Der isch nit von
Gengebach, der isch von Bhalt-mi-Sach, was nur zu verstehen ist,
wenn man weiß, dass dort von Leuten, die gebefreudig sind, gesagt
wird: Die sin gäng.
Im Breisgau dagegen sagt man eher: Der isch me
vun Nimburg als vun Gebwiler. Ortskundige könnten ins Stutzen
kommen, denn die beiden Orte liegen wahrlich nicht nebeneinander:
Guebwiller befindet sich im Elsaß und Nimburg östlich des
Kaiserstuhls. Doch aus dem Zusammenhang heraus wird jedem diese
merkwürdige Ortskombination klar.
Auf den ersten Blick nicht ganz durchsichtig ist
die Erwähnung des fiktiven Ortsnamens ‚Dulpen‘. Der Sinn von Mr
meint, du wärsch von Dulbe oder Da muß mr scho von Dulbe si
lässt sich zwar aus dem Zusammenhang erschließen, der so
Angesprochene hat sich nämlich dumm und tölpelhaft angestellt. Warum
jedoch fällt die Wahl gerade auf diesen Ortsnamen? Das lässt sich
natürlich nicht mit endgültiger Sicherheit beantworten. Vielleicht
stand das Wort Dubel (‚Tölpel, Dummkopf‘) Pate und man hat
durch Lautumstellung kurzerhand einen Ort entstehen lassen. Denkbar
ist jedoch auch, dass der sich selbst erklärende Name ‚Dummbach‘ ein
wenig verschleiert werden sollte und analog zu anderen
Verschleifungen bei Ortsnamen, wie Hambe aus Harmersbach oder
Saaschbe aus Sasbach, Dulbe aus Dummbach gebildet
wurde. In Lörrach jedenfalls sagt man klar heraus Der isch nit
von Dummbach, wenn man anerkennend bemerken will, dass der so
Bezeichnete nicht auf den Kopf gefallen ist.
Doch was machen die Leute, die wirklich in
Dumbach, in einem Dorf bei Buchen in Nordbaden, wohnen? Sie konnten
den ständigen Spott im Zusammenhang mit ihrem Ortsnamen einfach
nicht mehr ertragen und begannen in den 20er Jahren des letzten
Jahrhunderts zu forschen. Dabei fanden sie heraus, dass ihr Ort
einmal Donebach hieß. Und da dies weit unverfänglicher war, wurde
der Ortsname 1926 einfach in Donebach geändert.
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