Ein Päckli Owidumm
oder Kochleffelsome
Badische Zeitung 8. Juni 2001
Weil es Dinge gibt, die es überhaupt
nicht gibt, tappen Heranwachsende manchmal in unverschämte
Fallen. Zumindest wurden früher Kinder und Leichtgläubige zu
bestimmten Gelegenheiten gerne mit dieser widersprüchlichen
Tatsache konfrontiert, zum großen Spaß der Eingeweihten,
also denen, die selbst höchstwahrscheinlich einmal Opfer
solchen Schabernacks geworden waren. Der 1. April ist so ein
Datum, das sich da wie von selbst anbot. Do hesch zeh
Pfennig, hol mr ä Päckli Owidumm wurde das hilfsbereite
Kind aufgefordert, das nur eine Chance hatte, dem Schwindel
auf die Spur zu kommen, wenn es durch das Gekicher der
Umstehenden mißtrauisch wurde. Denn vordergründig klingt
Owidumm oder das ebenso gängige Obinichsodumm
oder Ibidumm bei einer verhüllenden Aussprache
durchaus ernsthaft. Wenn das Kind dazu noch in die Apotheke
geschickt wurde, wo die wunderlichen Sachen sowieso alle so
geheimnisvoll klingen und nicht selten wegen ihren
lateinischen Namen auf -um enden, widersprach
zunächst nichts der Ernsthaftigkeit des Auftrags. Dasselbe
gilt auch für die Abwandlungen Ochsdarum oder
Ochsdrehdichum. Je länger allerdings der Name ist, umso
wahrscheinlicher wird es, dass die unlautere Absicht
entdeckt wird. Das gilt besonders für den monströsen Artikel
Grattelanderwandnauf (‚Kletter an der Wand hinauf‘).
Und auch die Aufforderung, Haumichblau zu besorgen,
war sicher nur bei ganz Naiven erfolgreich.
Ein gewisses Weltwissen muss man
allerdings bereits erworben haben, wenn man dem Auftrag
Entenmilch oder Storchenmilch zu besorgen,
entschieden entgegnen kann: Des gits doch gar nit.
Auch Mucke-, Schnake- oder Schneckefett gehört
in die Kategorie der Dinge, die von der Natur einfach nicht
vorgesehen sind. Doch die Liste an spaßigen Dingen ist damit
noch lange nicht erschöpft. Auch im Bereich der Sämereien
gibt es einiges, was bei genauem Hinsehen nie und nimmer
aufgehen kann. Oder hat schon jemals einer Kochlöffel
geerntet, die sich zuvor aus Kochleffelsome
entwickeln sollten? Ganz kurios ist auch der Setzölsome,
dicht gefolgt vom Krutstumpesome
(‚Krautstumpensamen‘).
Nicht nur zum 1. April, sondern auch
dann, wenn der Abschluss einer besonderen Arbeit auf dem
Bauernhof, beispielsweise das Dreschen, den Übermut
beflügelte und ausgelassene Feierstimmung aufkam, musste zur
allgemeinen Belustigung noch etwas ganz Besonderes sein. Die
Obertescharre, an manchen Orten im Breisgau auch die
Oberkratzete, musste vom Nachbarhof geholt werden und
geschickt wurde natürlich der, der nicht wusste, dass es so
ein Gerät gar nicht gibt. Da half es auch nichts, wenn er
wusste, was die Oberte ist, nämlich der Platz in der
Scheune, wo die Garben vor dem Dreschen gelagert wurden. In
Nordbaden, wo die Oberte nicht bekannt ist, wurde in
diesem Fall dagegen der Hebhaken oder der
Hebträmel benötigt, wobei es sich bei einem Trämel
um ein weit verbreitetes, auch im Südbadischen bekannten
Wort für ‚Balken‘ oder ‚Bengel‘ handelt. War man dagegen
beim Mistfahren an das nahende Ende der Arbeit gekommen,
konnte es passieren, dass dringend noch die Mischdschere
gebraucht wurde. Und zum Abschluss der Heuernte fehlte oft
die Heusperre, ein absurdes Gerät, wenn man bedenkt,
dass Sperre ‚Bremse‘ bedeutet.
Brav tippelte dann ein Unbedarfter zum
Nachbarhof, wo er entweder gutmütige Menschen antraf, die
ihm eine Schleckerei mitgaben, oder aber solche, die das
derbe Spiel zu Ende spielten und ihm in den mitgebrachten
Sack allerlei Gerümpel packten, das bei den Wartenden dann
unter Gejohle ausgepackt wurde. |