Mänggeli und
Schleezer lassen
sich beim Mümmele nicht drängele
Badische Zeitung 10. November 2000
Bei der Frage nach dem langsamen und
lustlosen Essen ist sicher ein großer Teil der Leser ins
Grübeln gekommen. Der Grund dafür ist einfach, wenngleich er
in dieser Deutlichkeit vor der Umfrage nicht klar war: Nicht
in jedem Ortsdialekt gibt es einen speziell für diesen
Tatbestand reservierten Ausdruck. Fein raus waren die Leser
aus dem Markgräflerland und in zwei kleinen Gebieten im
nördlichen Breisgau und in der Ortenau. Im Markgräflerland
sagt die Mutter zum Kind in diesem Fall nämlich Mänggele
doch nit so umme!, während man von Weisweil bis nach
Freiamt und südlich von Offenburg hört Dü schleezesch
aber emool wiider! In beiden Fällen werden Wörter
verwendet, die nur im Zusammenhang mit essen oder trinken
stehen, während anderswo allgemeinere Wörter herangezogen
werden. Das sehr häufig gemeldete schnaige oder
schnäuke und das im Schwarzwald vorkommende naise
und nousle, das ebenfalls nur auf das Essen bezogen
werden kann, trifft den gefragten Sachverhalt nämlich nur
bedingt. Zwar kann auch ein Schnaiger oder Naiser
stundenlang an einem ordentlichen Essen herumstochern, der
Grund dafür liegt aber in erster Linie darin, dass eine
solche Person äußerst wählerisch im Essen ist. Zu dieser
Gruppe gehören auch noch die, die in Säckingen sämpere.
Natürlich kann auch bei einem Mänggeli oder einem
Schleezer im einen oder anderen Fall das die Ursache
seines Tuns sein. Der Schwerpunkt der Feststellung liegt
dort aber auf der übertrieben langen Zeit, die der Esser
braucht.
Nun ist dies für die übrigen Mundartsprecher letzlich
überhaupt kein Problem. Mit einer Fülle von originellen
Wörtern kann das Trödeln beim Essen trotzdem beschrieben
werden. Denn gibt es für das langsame Essen keine eigene
Bezeichnung, dann sicher für das langsame Arbeiten, für das
langsame Gehen oder für andere Tätigkeiten. Es sind also
genügend Wörter vorhanden, die sich mühelos für
Übertragungen eignen. Die Varianten sind allerdings so
zahlreich, dass nur ein Bruchteil hier genannt werden kann.
Sehr häufig, besonders aus dem
Breisgau, wurde die dialektale Entsprechung von ‚trödeln‘
gemeldet, nämlich droddle. Aber auch dröödle
oder dreedle kann man im Alemannischen hören. In
Tegernau und Wieslet werden die Langsamen damit
konfrontiert, dass sie hössele würden, während träges
Daherkommen gern als gänggele (Mengen, Hausen i. W.)
bezeichnet wird. Übertragen vom langsamen Arbeiten ist
glüüre aus Ringsheim, Grafenhausen und Ettenheim, aber
auch liire in einer Sonderbedeutung. Aus der
Furtwanger Gegend schrieben einige Leser, bei ihnen würde
trödelndes Essen mit daige bezeichnet werden. Daneben
wurde auch däägele aus Gütenbach und Jostal gemeldet.
Ob diese beiden Wörter wirklich zusammengehören, ist schwer
zu beurteilen. Bei daige jedenfalls scheint die
Vorstellung von Obst, das daig (‚überreif‘) wird, mit
hinein zu spielen.
Wenn dagegen in Kirchzarten und
Mambach in diesem Zusammenhang von daie gesprochen
wird, steht ein ganz anderes Bild dahinter, nämlich das von
einem widerkäuenden Rind. Wie eine Kuh, die stundenlang ihre
Mahlzeit verarbeitet, wird dort der langsame Esser
empfunden. Und der Hase muss als Bildspender herhalten, wenn
in Waldkirch moffle, in Sulzburg müffele und
in Hauingen und Weil muffle gesagt wird. Daneben kann
aber andernorts auch noch gmampflt, gmümpfelt, gmemmelet
oder gmümmelet werden. Nagt ein Hund an einem Knochen
herum, spricht man von kaafle (Sexau, Haltingen),
wogegen von einem Huhn, das hie und da ein Korn aufpickt,
gesagt wird, es würde rumbigge (Herbolzheim). Kein
bestimmtes Tier, sondern nur seinen Futtertrog, an dem es
sich ungewöhnlich lange aufhält, hat schließlich der im
Sinn, der von trögle (Haagen) oder dreegle (Istein)
spricht.
Daneben gibt es noch eine Reihe von
Wörtern, die nicht direkt einem Bild zuordenbar sind und
deren Verbreitung relativ kleinräumig ist. So ist es in
Broggingen und Teningen üblich, trödelndes Essen mit
glemsle zu bezeichnen, während man in Dörlinbach und
Reichenbach schnongslet und in Altenheim und
Wagenstadt schlamäderet. Und natürlich kann man auch
den ganzen Sachverhalt mit einer Redewendung umschreiben.
Das ist der Fall, wenn man in Vögisheim sagt, der Esser
würde hoch mahle, also kaum zubeißen. In Ohlsbach
kann man dagegen den dramatischen Satz hören Daib nit so
im Däller umenander!, während in Bötzingen interessiert
gefragt wird Hesch Dern (‚Dornen‘) im Esse? |