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Suggel, Nulli
oder Zapfe - wenn nur das Kind still ist
Badische Zeitung 9. November 2000
Der heutige Schnuller,
für gestresste Mütter - oder Väter - einer der wichtigsten
Gegenstände, der im entscheidenden Augenblick immer gesucht
werden muss, ist aus Plastik mit einem Gummisauger. Das war
natürlich nicht immer so. Dies scheint hie und da an den
Benennungen durch, die diesen Tröstern in der Not gegeben
wurden. Möglicherweise sind die Bezeichnungen schon
teilweise veraltet, denn die Erhebung, die dieser Karte
zugrundeliegt, wurde Ende der 30er Jahre vorgenommen.
Rückmeldungen aus dem Leserkreis der Badischen Zeitung sind
daher durchaus erwünscht.
Vor der Entwicklung des Gummisaugers war es üblich, den
Kleinkindern zur Beruhigung einen Stoffbeutel, gefüllt mit
etwas Honig oder Zucker, manchmal auch mit Brot zu geben,
woran das Kind suckeln oder nuckeln konnte,
beides Wörter, die sich auf die Bezeichnung des Schnullers
niederschlagen. Im Südschwarzwald und der angrenzenden Baar
findet sich nämlich die Bezeichnung Suggel, und im
Hotzenwald gilt ziemlich verbreitet Nuggel. Gerade
bei solch einem Wort, das zu den ganz privaten gerechnet
werden darf, wo fast jede Mutter in der Lage ist, in der
Unterhaltung mit ihrem Baby noch ein neues Wort zu erfinden,
sind die Spielformen, also geringfügige Abweichungen von
einer Leitform, gang und gäbe. Schon in der Standardsprache
findet sich daher ‚nuckeln‘ neben ‚suckeln‘, wobei letzteres
eine Intensivbildung, also quasi eine Steigerung, zu saugen
ist, während man bei ‚nuckeln‘ davon ausgeht, dass diese
Bildung durch die geschlossenen Lippen beim n die zu
beschreibende Tätigkeit noch besser trifft. In den
dialektalen Benennungen darf es aber noch ein bisschen mehr
sein. Selbstverständlich gibt es auch den Nuggi im
südwestlichsten Zipfel von Baden, den Schnuller in
Mittelbaden mit seinen Varianten Schnulli und
Schnulle, sowie den Nuller westlich von Rastatt.
Und um das Maß an möglichen Formen vollzumachen, findet man
neben Nuggel und Suggel im Süden dann noch den
Schnüggel.
Noch mehr in den
Bereich der Lallwörter gehen aber die Bezeichnungen Lulli
und Nulli, im Elztal manchmal sogar Dulli.
Beim Dulli liegt die Vermutung nahe, dass es sich
hier um einen Kompromiss zwischen Nachbarformen handelt
nach dem Motto: „Wir wissen nicht, ob wir die eine oder die
andere Form nehmen sollen, also mischen wir eben."
Beeinflussend auf Lulli und Nulli wirkt
nämlich der Duddel, der durchaus auch eine kindliche
Lallform ist. Bei ihm kann jedoch darüberhinaus noch eine
Verbindung zu der Bezeichnung der mütterlichen Brust, der
Dudde oder, verkleinert, dem Diddli gezogen
werden. Bei der langen Form, dem Duudel, wie sie im
Hanauerland gesprochen wird, ist eine Beeinflussung von
Buudel, ‚Flasche‘, von französisch ‚bouteille‘, nicht
ganz von der Hand zu weisen, weil die Bezeichnung für den
Schnuller auch oft mit der für den Sauger der Flasche
zusammenfällt. Allerdings spricht hier dagegen, dass die
Babyflasche vielerorts Schoppen genannt wird.
Beim Zipfel,
wie er um Triberg bekannt ist, darf wohl noch einmal an die
oben beschriebene Stoffversion des Saugers gedacht werden,
während eine bildliche Übertragung vielleicht dort erfolgte,
wo Zapfe und Bunde gilt, denn beides sind auch
Bezeichnungen für den Korken, der auf eine Flasche gemacht
wird. Natürlich darf man auch hier erst einmal ein
Zusammenhang zum Verschluss der Saugflasche annehmen, aber
passt die Vorstellung vom Abstellen des Babygeschreis mit
einem Korken nicht auch hervorragend? |